Sonne macht Hautkrebs, Sonne schützt vor Hautkrebs - ein Paradox?

21.01.2014 12:17:00 von Leopold Bergmann

Sonnen- und Vitamin D-Mangel führt zu Blutdruck- und Herz-Kreislauf-Problemen
Sonnen in der Höhe mit steigendem Melanom- aber sinkendem Sterbe-Risiko - Foto: fotolia.com

Auf den erste Blick erscheint das so! Wir wissen, dass die Sonne, vor allem ihre UV-Strahlen, an der Entstehung des "schwarzen" Hautkrebs, dem Melanom, beteiligt ist. Gleichzeitig weisen wissenschaftliche Studien weltweit darauf hin, dass

  • Menschen in sonnenarmen Regionen oder Lebenssituationen (z.B. Büroarbeiter) häufiger an einem Melanom erkranken als Menschen, die sich häufiger/regelmäßig und länger an der Sonne aufhalten,
  • Menschen mit intensiverer Sonneneinstrahlung zwar häufiger an "schwarzem" Hautkrebs erkranken, aber seltener daran sterben - auch übrigens seltener an anderen Krankeiten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Diese wiedersprüchlichen Befunde (s. auch die Sonnenexperten-Beiträge hier und hier) werden jetzt von einer österreichischen Studie einmal mehr bestätigt.

Die Wissenschaftler der Wiener Universitäten analysierten die Daten der Melanom-Fälle und der Sterberaten zwischen den Jahren 1990 und 2010 und ihre regionale Verteilung und verglichen diese Daten mit den Bevölkerungsdaten von 1971, 1981, 1991 und 2001 in den Regionen mit besonders hoher, intensiver und geringerer Sonneneinstrahlung (relative Höhenlage, städtische gegenüber ländlicher Region). Sie berücksichtigten dabei die über die Jahre gestiegene Intensität der UV-Strahlen  durch den Klimawandel und das "Ozonloch".

Die intensivsten und die schwächsten Sonnenstrahlungen erhöhen das Melanom-Risiko - aber: Je mehr Sonne desto weniger Todesfälle durch den "schwarzen" Hautkrebs

Bei diesem Abgleich ergaben sich eindeutige Zusammenhänge:

  • Je höher die Wohnlage der Menschen mit der Folge intensiverer Sonneneinstrahlung, desto häufiger das Auftreten von "schwarzem Hautkrebs" vor allem in der Altergruppe unter 30 Jahren - aber erstaunlicherweise desto weniger Todesfälle durch ein Melanom.
  • Melanoma traten deutlich häufiger auf in Großstädten, wo Menschen weniger und seltener den Strahlen der Sonne ausgesetzt sind und vor allem die UVB-Strahlen auch durch die Luftverschmutzung stärker ausgefiltert werden - im Vergleich zu ländlichen Regionen, wo die Bevölkerung in der Regel stärker und regelmäßiger der Sonne ausgesetzt ist. Entsprechend auch die höhere Sterberate in den Städten, vor allem in Wien, gegenüber den ländlichen Regionen.

Über die Gründe für dieses scheinbar paradoxe Ergebnisses können die Forscher nur spekulieren:
"Das bedeutend höhere Melanom-Risiko in städtischen gegenüber ländlichen Regionen wird verursacht vor allem durch den unregelmäßigen ("intermittierenden", unvorbereiteten Wechsel zwischen minimaler Sonnenexposition im Alltag und intensivem Sonnenaufenthalt etwa am Wochenende und in den Ferien, d. Red.) Aufenthalt an der Sonne. Der Kontrast zwischen häufigerem Auftreten von "schwarzem" Hautkrebs je höher die Region gelegen ist, und gleichzeitigem Abnehmen der Todesfälle durch Melanoma bei zunehmender Höhenlage lässt sich vermutlich erklären durch die steigende Vitamin D-Bildung bei intensiverer Sonneneinstrahlung," so die Autoren der Studie.

Vitamin D spielt eine entscheidende Rolle bei der Zellteilung und bei der Beseitigung (Apoptose) entarteter Zellen.

Quelle: Vitamin D Council

Studie: Haluza D, Simic S, Moshammer H. Temporal and Spatial Melanoma Trends in Austria: An Ecological Study. International Journal of Environmental Research and Public Health, Januar 2014, 11(1), 734-48

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