Sonne im Vitamin D-Winter - und wozu wir sie trotzdem brauchen

19.11.2013 16:55:00 von Leopold Bergmann

Wintersonne hat Wirkungen auch jenseits von Vitamin D
Foto: gerd-altmann/pixelio

An trüben Novembertagen dämmert es sogar dem größten Sonnen-Muffel, dass da etwas fehlt. Tatsächlich fehlt aber selbst an sonnigen Herbsttagen etwas: Die Sonne ist nicht mehr in der Lage, Vitamin D3 über die Haut zu bilden. Je tiefer die Sonne am Himmel steht, desto geringer der Anteil von UV-B am Sonnenspektrum.

UV-B aber ist nötig für die Vitamin D-Bildung. Auf dem langen Weg der Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre wir das UV-B-Licht vor allem durch die Ozonschicht ausgefiltert. Was dann noch bei uns an ultrviolettem Lich ankommt sind nur noch die UVA-Strahlen (380–315 nm).

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Gute Faustregel:
Wenn der Schatten, den Dein Körper wirft, länger wird als Dein Körper selbst, der Schatten als größer ist als Du, wird kein Sonnenschein-Vitamin mehr gebildet.
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Ist damit der Aufenthalt an der Sonne im Vitamin D- Winter etwa "nutzlos"? Keineswegs. Die Wissenschaft entdeckt immer neue Wirkungen der Sonnenstrahlen über die Vitamin D-Synthese hinaus.

So zum Beispiel ein eben erschienene Studie von der Universität von Zürich. In einem Laborversuch wurden 116 Teilnehmer mit unterschiedlichen Hautproblemen  zwei-dreimal wöchentlich über 8-12 Wochen mit UV-Strahlen behandelt. Eine Gruppe nur mit UVA-Strahlen, eine zweite Gruppe nur mit UVB-Strahlen und eine dritte Gruppe mit UVA- und UVB-Strahlen.

Wie erwartet sank der Vitamin D-Gehalt im Blut bei der UVA Gruppe und stieg drastisch an bei den beiden Teilnehmern in den anderen Gruppen.

Bemerkenswert aber: Bei allen Teilnehmern, also auch bei den UVA-Bestrahlten mit sinkendem vitamin D, stieg der "Dermatology Life Quality Index (DLQI) ", eine Messgröße für "dermatologische Lebensqualität", hauptsächlich - aber nicht nur - bedingt durch die Verbesserung der Hautprobleme. Diese Verbesserung der Lebensqualität konnte also zwar auf die UV-Bestrahlung, nicht aber auf die Vitamin D-Wirkung zurückgeführt werden.

Bereits in früheren Studien waren messbare Wirkungen des Sonnelichts auf Gesundheit und Wohlbefinden nachgewiesen worden:

  1. Stimmungsaufhellung und Vitalisierung durch Sonnenlicht - vermutlich durch die Aktivierung von Endorphinen ("Glückshormonen").
  2. Heilung oder Linderung von Hautkrankheiten wie Psoriasis, Lupus vulgaris, atopische Dermatitis etc. durch unterschiedliche UVB- und UVA-Bestrahlungen. Ein Grund dafür liegt in der Regulierung der überschießenden Zellteilung und der Zellen des Immunsystems.
  3. Linderung von chronischen Schmerzen (Fibromyalgie). Der Wirkzusammenhang ist bisher nicht bekannt.
  4. Verstärkung der Widerstandsfähigkeit der Haut gegen äußere Reize. Auch hier weiss man die Gründe noch nicht.
  5. Bei einigen Krankheiten, wie etwa Multipler Sklerose, wurde festgestellt, dass das Sonnenlicht eine positive Wirkung zeitigte über die Wirkung von Vitamin D hinaus.
  6. Auch die UVA-Strahlen beeinflussen den Stoffwechsel z.B. die Bildung von Stickstoffmonoxyd (NO) im Körper, mit Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, die Wundheilung und den Schutz der Haut vor Schäden durch übermäßige Sonnenbestrahlung.

Studien:
L. Feldmeyer et al., Phototherapy with UVB narrowband, UVA/UVBnb, and UVA1 differentially impacts serum 25-hydroxyvitamin-D3, Journal of the American Acadademy of Dermatology, Oktober 2013, 69(4):530-6

A. Juzeniene and J. Moan, Beneficial effects of UV radiation other than via vitamin D production, Dermato-Endocrinology, 2012, 4(2):109-17

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