Ratgeber-Nonsense

22.11.2013 11:51:00 von Leopold Bergmann

Gesundheitsportal lifeline mit Fehlinformationen

Es ist verblüffend, in welchem Umfang selbst renommierte Online-Ratgeber-Portale immer noch Unsinn verbreiten über Sonnenstrahlen und Sonnenschein-Vitamin D3.

Stellvertretend für geballte Fehlinformationen online vor allem bei dem Versuch, mit den Empfehlungen aktuell zu wirken, hier die "Winter-Ratschläge" des Gesundheitsportals "lifeline":

  1. lifeline empfiehlt, sich im Winter möglichst viel an der Sonne aufzuhalten, um die Vitamin D-Speicher zu füllen. Das ist Unsinn, denn im Winter enthalten die Sonnenstrahlen, die auf die Erde treffen so wenig UV-B-Strahlen, dass die Vitamin D-Synthese damit in der Haut nicht/kaum angestoßen werden kann.
    lifeline beruft sich dabei auf das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Tatsächlich aber weist das BfR richtigerweise gerade auf das Gegenteil hin: keine Vitamin D-Bildung im Winter. Erstaunlich!
  2. Zu den Klassikern der medialen Fehlinformationen zählt die Warnung vor Solarien im Zusammenhang mit der Vitamin D-Versorgung im "Vitamin D-Winter". Auch lifeline wiederholt hier: "In Solarien können Benutzer gar kein Vitamin D sammeln. Denn die UVB-Strahlen, die der Körper für die Bildung von Vitamin D benötigt, kommen dort fast gar nicht vor." Dass immer wieder in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde, dass mit handelsüblichen Solarien der optimale Vitamin D-Status erreicht und stabilisiert werden kann, wird souverän ignoriert.
    Kurios auch der Hinweis, dass die Bestrahlungsstärke moderner Solarien der Sonnenkraft am Äquator gleiche und daher Hautkrebs zur Folge hätte. Die Aussage würde bedeuten, dass die Menschen am Äquator sehr viel häufiger an Hautkrebs litten, als die Menschen in unseren Breiten. Genau das Gegenteil ist der Fall! In nördlichen Ländern ist nicht nur die Hautkrebs-Häufigkeit sondern auch der steile Anstieg in den vergangenen Jahrzehnten wesentlich höher als in den südlichen Ländern. In der Tat ist die Grenze zwischen der "guten" und der "bösen" Sonne, zwischen positiven und negativen Gesundheitswirkungen der UV-Strahlen ja nicht eine Sache der Bestrahlungsstärke, sondern der Bestrahlungsdosis, also der Kombination von Bestrahlungsstärke und Bestrahlungsmenge/zeit.

Es bleibt erstaunlich, wie leichtfertig auch als seriös eingeschätzte Online-Quellen für Gesundheitsinformationen ungeprüft und reflexartig Vorurteile reproduzieren.

Quelle: lifeline

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