Kinder an die Sonne - mäßig aber regelmäßig

16.05.2014 16:48:00 von Leopold Bergmann

Sonne in der Kindheit schützt vor Melanom im Erwachsenenalter
Foto: risiers/photocase

Mitten in die diesjährige Anti-Sonnen-Kampagne von Deutscher Krebshilfe und ADP (hier ein Beispiel mit den üblichen statistischen Manipulationen und Fehlinformationen) platzt jetzt eine Studie der Universitäten Dresden und Ulm, die einmal mehr die undifferenzierte Panikmache vor den Sonnenstrahlen ad absurdum führt.

Das Ergebnis der Studie in Kurzform: Kinder, die häufig und lange im Freien und an der Sonne spielen, erkranken als Erwachsene sehr viel seltener an einem Melanom ("schwarzer Hautkrebs"), als Kinder mit weniger Aufenthalt "an der frischen Luft".

Die "Ärztezeitung" fasst die Studie anschaulich zusammen:
"Viel Sonne, viel Hautkrebs: auf diese einfache Formel wird allgemein der Zusammenhang zwischen UV-Exposition und dermatologischen Tumoren gebracht. Doch so einfach lässt sich das Hautkrebsrisiko wohl nicht erklären, sonst wären wir vermutlich schon ausgestorben.
Schließlich arbeiteten unsere Vorfahren weder vor der Sonne geschützt in abgedunkelten Büros, noch cremten sich die Bauern vor 100 Jahren mit Lichtschutzfaktor 50 ein, bevor sie aufs Feld gingen.

Das Problem scheint ein anderes zu sein: Wir verbringen so wenig Zeit in der Sonne, dass wir kaum noch die üblichen Schutzmechanismen gegen die UV-Strahlung ausbilden. Das rächt sich dann im Urlaub.

So lassen sich zumindest die Daten interpretieren, die Dermatologen um Dr. Margit Huber von den Unikliniken Ulm und Dresden nun veröffentlicht haben: Dabei scheint eine chronische Sonnenbestrahlung mit einem geringeren, eine sporadische Bestrahlung, also etwa der Badeurlaub mit käseweißer Haut am Mittelmeer, mit einem erhöhten Melanomrisiko einherzugehen....

Draußen aktiv, geringes Melanomrisiko

Die Forscher haben in einer Fall-Kontroll-Studie 291 Patienten mit einem Melanom, 212 mit einem Basalzellkarzinom sowie knapp 330 Patienten ohne dermatologische Erkrankungen (Kontrollgruppe) nach ihrer Sonnenexposition und einer Reihe weiterer Risikofaktoren befragt. Alle Patienten stammten aus Kliniken in Ulm und Dresden.

Nach diesen Daten hatten sich Patienten ohne Hautkrebs vor 20 Jahren viel häufiger im Freien bewegt als Melanomkranke: Tennisspielen, Segeln, Bergsteigen, Wandern, Fußballspielen, Skifahren - all diese Aktivitäten hatten die Hautgesunden häufiger angegeben.

Vor allem waren die Patienten ohne Melanom in der Kindheit viel häufiger draußen. Faktoren wie Bergwandern in der Kindheit gehen nach diesen Berechnungen mit einem etwa 70 Prozent geringeren Melanomrisiko einher."

Auch das Solarium reduziert das Melanom-Risiko

Noch heftiger dürfte ein Studienergebnis die Anti-Sonnen-Akteure irritieren, das auch die Autoren offensichtlich überrascht hat: Nicht nur der Aufenthalt an der Sonne, sondern auch das regelmäßige Sonnen im Solarium reduziert das Risiko, an einem Melanom zu erkranken - und das gleich um 90 Prozent.

Bestätigt werden frühere Forschungsergebnisse, dass Berufe, die überwiegend im Freien ausgeübt werden, wie etwa der Bauer, kein erhöhtes Melanom-Risiko aufweist - tatsächlich sind Büroangestellte stärker gefährdet als Menschen mit Tätigkeiten im Freien.

Auch nicht neu, aber immer wieder überraschend: Der Gebrauch von Sonnenschutzmitteln verhindert nicht das Melanom-Risiko. Im Gegenteil! Der Grund ist vermutlich der zu sparsame Gebrauch und dadurch das falsche Sicherheitsgefühl, das zu überlangem Aufenthalt an der Sonne und zu Sonnenbränden führt.

Und dennoch: Vorsicht!

Die Erkenntnis, dass die Sonne, regelmäßig aber mäßig genossen, eine schützende Wirkung vor dem Melanom haben kann, bedeutet allerdings nicht, dass ungebremstes Sonnen und Sonnenbrände ungefährlich seien. Auch die Dresdener Studie bestätigt die langfristigen Folgen früher Sonnenbrände und von "Sonnen-Mißbrauch" generell für die Entstehung des "Schwarzen Hautkrebses". Wie immer: die Dosis macht das Gift!

Darüber hinaus gelten diese Ergebnisse zwar für das Verhälnis von Sonnen-Exposition und Melanom nicht aber für den "weissen Hautkrebs", vor allem das Basaliom. Hier ist der Zusammenhang zwichen Menge und Intensität der Sonnen-Einstrahlung und dem Risiko einer Erkrankung direkter und unmittelbarer.

Quelle: Ärztezeitung

Studie: P. Kaskel et al., Ultraviolet exposure and risk of melanoma and basal cell carcinoma in Ulm and Dresden, Germany, Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, April 2014, vorab online publiziert

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