Je sonniger desto weniger Hautkrebs (Melanom)

23.11.2013 11:19:00 von Leopold Bergmann

Gesundheitsportal lifeline mit Fehlinformationen

Seit mehr als einem halben Jahrhundert nehmen in Europa die Fälle von "schwarzem" Hautkrebs (Melanom), der gefährlichen Variante des Hautkrebs, ständig und drastisch zu. Dermatologen-Organisationen und Krebshilfe nehmen diese Daten regelmäßig zum Anlass, vor den Sonnenstrahlen und vor den UV-Strahlen der Solarien in leicht hysterischen Medienkampagenen zu warnen.

Schon ein erster Blick auf die neuesten europäischen Zahlen (aus 29 Ländern) zeigt dagegen überdeutlich, dass diese pauschalen Warnungen weit am Ziel vorbei schießen. Die schlichten Tatsachen werden jetzt wieder in einer europaweiten Studie und Prognose für die kommenden Jahre bestätigt:

  1. Der unverminderte Anstieg der Melanoma-Fälle konzentriert sich vor allem auf die sonnenarmen Länder nördlich etwa des 45. Breitengrads. Die sonnigen Südländer bleiben weitgehend verschont.
  2. Den größten Ansteig verzeichnet die Altersgruppe jenseits der 70. Kein Wunder, denn der Hautkrebs ist eine Krankheit vor allem im Alter und der Anteil der Bevölkerung über 70 Jahre steigt ständig an - und mit ihm die Zahl der Melanoma-Fälle jenseits der 70 Jahre.
  3. In Ländern mit einem flächendeckenden oder zumindest verbreiteten Hautkrebs-Screening (massenhafte Vorsorgeuntersuchungen) schnellen die Zahlen nach der Einführung sprunghaft nach oben - der Anteil der Fehldiganosen und "Überdiognosen" ebenfalls.
  4. Ausgerechnet in den Ländern, in denen in dem vergangenen Jahrzent die Nutzung von Sonnenbänken kontinuiertlich, zum Teil um mehr als die Hälfte, gefallen ist steigen die Melanoma-Zahlen überproportional.

Besser: Ein differenzierte Blick auf die "gute" und die "böse" Sonne

Damit ist zwar noch wenig über Ursache und Wirkung ausgesagt, aber die platten Sonnen-Warnungen werden durch diese Tatsachen nicht eben überzeugender.

Andererseits: Obwohl der "schwarze" Hautkrebs - im Gegensatz zum vergleichsweise ungefährlichen "weißen" Hautkrebs - kein Massen-Phänomen ist, ist der ungebremste Antieg der Krankheitsfälle natürlich ein ernstes Problem, das auch durchaus mit den Strahlen der Sonne zu tun hat. Der Zusammenhang ist allerdings ein völlig anderer als von den Angst-Kampagnen suggeriert.

Der mäßige aber regelmäßige Aufenthalt an der Sonne, wie er in südlichen Ländern unvermeidlich ist, befördert keineswegs die Bildung von "schwarzem" Hautkrebs - im Gegenteil: es gibt wissenschaftliche Hinweise, dass der gewohnte und vernünftige Aufenthalt an der Sonne (mit dem selbstverständlichen Schutz vor übermäßiger Strahlung durch Schatten und "Siesta") vor dem Melanom schützen kann.

Anders bei den Lebensgewohnheiten der "Nordländer", die das Jahr über im Freien wenig von der Sonne abbekommen (und sich außerdem stärker in geschlossenen Räumen aufhalten), sich dann aber in den Ferien ungebremst der (südlichen) Mittagssonne aussetzen um ihren Sonnen-Hunger zu stillen und dabei auch vor wiederholten Sonnenbränden nicht zurückschrecken. Dieser abrupte "Sonnengenuß" mit unangepasster Haut erhöht, wie die Wissenschaft ebenfalls nachweist, das Risiko deutlich, an einem Melanom zu erkranken.

Die neuesten europäischen Hautkrebsdaten und die Prognose eines weiteren Anstiegs der Melanoma-Fälle sollten also Anlass geben, mit diesem ernsten Problem künftig differenzierter und den Tatachen entsprechender umzugehen.

Übrigens:
Bei den steigenden Melanoma-Fällen der "Nordländer" bildet Norwegen eine bemerkenwerte Ausnahme. Den Grund dafür hatte bereits vor Jahren der norwegische Forscher, Prof. Johan Moan, und sein Team schlüssig erklärt mit dem hohen Anteil von fettem Fisch in der norwegischen, insbesondere der nord-norwegischen, Diät. Fetter Fisch ist das einzige (wnn man Lebertran mal ausnimmt) Lebensmittel mit einem nennenswerten Anteil an Vitamin D. Mit dieser Fisch-Diät, so Moan, glichen die Norweger den Sonnen-Mangel als Vitamin D-Quelle aus.

Studie: A.M. Holterhues et al., Trends in incidence and predictions of cutaneus melanoma across Europe up to 2015, Journal of the European Academy of Dermatology and Venerology, 2013, online vorab publiziert

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