Sonne macht sexy

04.08.2013 16:16:00 von Leopold Bergmann

Sonne macht sexy, erhöht das Testosteron und verbessert die Spermien-Qualität
Foto: iStockphoto

Ein sanftes Braun der Haut das ganze Jahr über zieht an - im doppelten Wortsinn. Aber dass Sonne auch sexy, fruchtbar, schlank und agil macht, ist weniger offensichtlich aber wissenschaftlich nachgewiesen.

Macht die Sonne die Männer männlicher und die Frauen weiblicher?

Die Häufung von Vitamin D-Rezeptoren (die “Türhüter” der Zellen für den Zugang des aktiven Vitamin D in die Zellkerne) in Hoden, Samenleiter und in den reifen Samenzellen legen diesen Schluss nahe.

Dänische Forscher hatten sich dieser Frage auf neuen Wegen genähert. Sie untersuchten die Funktionen verschiedener Vitamin D-Rezeptoren in den männlichen Geschlechtsorganen und der Enzyme, die für die “Zubereitung” des Vitamin D und dessen Wirksamkeit zuständig sind.Sie fanden bei den Versuchsteilnehmern bestätigt, was bereits aus Tierversuchen bekannt war: Ein Vitamin D-Mangel führt zu geringerer Spermienbildung und Fruchtbarkeit bei den betroffenen Männern.

Die Autoren dieser Studie machten dabei in ersten Untersuchungen auch mit Frauen eine scheinbar paradoxe Entdeckung:
Bei Frauen scheint Vitamin D die Testosteronwerte zu senken!

Mehr Testosteron unter der Sonne

Sonne fördert die Produktion und Qualität von Spermien und Testosteron

Sonne und Männlichkeit - Foto: fotolia.com

Männliche Hormone (Androgene) richten sich nach der Sonne. Männer mit einem normalen Vitamin D-Spiegel im Blut von mindestens 30 ng/l haben deutlich höhere Testosteron-Werte als Männer mit niedrigeren Vitamin D-Werten (20-29 oder gar <20 ng/l).
Ende März – am Ende des “Vitamin D-Winters” -  ist der Testosteron-Spiegel am niedrigsten, Ende August am höchsten. Flapsig gesprochen: Je höher die Sonne steigt, desto männlicher der Mann!

Ganz so drücken es zwar die Forscher an der Medizinischen Universität Graz nicht aus.  Ihre Untersuchungen von 2.299 Männern über einen  Zeitraum von vier Jahren bestätigen aber einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der  Versorgung mit dem “Sonnenschein-Vitamin D”, saisonalen Einflüssen und der Höhe des wirksamen männlichen Hormon-Pegels.

Sonne macht nicht nur Männer sondern auch ihre Spermien munter

Männer die per Sonne oder Solarium viel Vitamin D tanken, verschaffen ihren Spermien einen Vorsprung an Beweglichkeit, Geschwindigkeit und Durchschlagskraft. Das ist, salopp formuliert, das Ergebnis einer dänischen Studie an der Universität von Kopenhagen.

Die Wissenschaftler hatten 300 zufällig ausgewählte Männer auf die Qualität ihrer Spermine getestet und bei weiteren 40 Teilnehmern eine Detail-Analyse der Spermien im Labor durchgeführt.  Gleichzeitig wurde der Vitamin D-Spiegel (25 (OH)D) im Blut gemessen, neben weiteren Messsungen wie dem Kalzium- und Parathormon-Spiegel.

Fast die Hälfte der Männer hatten einen zu niedrigen Vitamin D-Spiegel (<50 nmol/l – von den meisten Experten empfohlener Normal-Wert liegt bei >75 nmol/l).  Die Spermien der Männer mit höheren Vitamin D-Werten zeigten deutlich höhere “Leistungen” in der Beweglichkeit und Geschwindigkeit. Die Zahl der gesunden Spermien lag bei den Männern mit Vitamin D-Mangel weit unter denen der Teilnehmer mit normalen Werten (>75 nmol/l). Die Kalzium-Aufnahme war ebeno reduziert wie die Akrosom-Reaktion (wichtig für das Durchdringen der Einzellen-Hülle). In den Labor-Untersuchungen kamen die Tests zu ähnlichen Ergebnissen.

Die Forscher formulieren vorsichtig: Die Untersuchungen belegen eine wichtige Rolle des Vitamin D bei der menschlichen Spermienbildung.

Ohne Sonne dicker und kleiner

Ohne Sonnenschein-Vitamin D3 zu kleine und zu dick

Foto: fotolia.com

Vitamin D-Mangel kann bei Mädchen zu Übergewicht und Wachstumsstörungen führen. Dass das selbst in sonnenreichen Ländern vorkommt, belegt eine Studie aus dem "Sonnenstaat" Kalifornien.

Wissenschaftler an der McGill University und der University of Southern California untersuchten den Vitamin D-Status, das Körperfett und das Längenwachstum bei 90 Mädchen und jungen Frauen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren. 59 Prozent der Teilnehmer an der Studie litten unter einem Vitamin D-Mangel.

Fazit der Studien-Autoren: “Wir fanden heraus, dass Mädchen und junge Frauen mit einem Vitamin D-Defizit erheblich schwerer waren, einen höheren Body Mass Index und erheblich mehr Bauchfett aufwiesen als Mächen mit normalem Vitamin D-Spiegel.

Unerwartet auch die Verbindung von Vitamin D-Mangel und Körpergrösse. Gerade in Zeiten des beschleunigten Wachstums, so die Autoren, sei ein Vitamin D-Defizit verantwortlich für eine Verzögerung und Reduzierung des Wachstums.

Studien (Beispiele):

Martin Blomberg Jensen et al.,  Vitamin D receptor and vitamin D metabolizing enzymes are expressed in the human male reproductive tractHuman Reproduction, 2010, 25 (5): 1303-131

E. Wehr, S.  Pilz, B.O. Boehm , W. März, B. Obermayer-Pietsch, Association of vitamin D status with serum androgen levels in menClinical Endocrinology, 2010, 73(2):243-8 

Martin Blomberg Jensen et al., Vitamin D is positively associated with sperm motility and increases intracellular calcium in human spermatozoa, Human Reproduction (2011), 26 (6): 1307-1317

Kremer et al., Vitamin D Status and its Relationship to Body Fat, Final Height, and Peak Bone Mass in Young Women, Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism,  Januar 2009, 94 (1), 67-73

Gute Übersicht über den derzeitigen Forschungsstand:

Martin Blomberg Jensen, Vitamin D metabolism, sex hormones and male reproductive function, Reproduction, 25. Mai 2012, online vorab publiziert

Elisabeth Lerchbaum and Barbara Obermayer-Pietsch, Vitamin D and fertility: a systematic reviewEuropean Journal of Endocrinology, 2012,166, S. 765-778

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