Solarium als Quelle für das Sonnenschein-Vitamin

04.08.2013 16:03:00 von Leopold Bergmann

Sonnenschein-Vitamin D von der Sonnenbank - im Solarium das notwendige Vitamin D3 für den "Vitamin D-Winter" bilden
Vitamin D von der Sonnenbank

Der Gang ins Qualitäts-Sonnenstudio verschafft neben Entspannung, Vitalisierung und sanfter Bräune auch eine gleichmäßige Versorgung mit dem lebenswichtigen Sonnenschein-Vitamin D3 - rund ums Jahr, auch im "Vitamin D-Winter" von Oktober bis März. Dieser Gesundheitseffekt war ursprünglich auch der Antrieb bei der Erfindung und beim Ausbau der Solarien.

Vitamin D ist das einzige Vitamin, oder besser: Hormon (da es zu 90 Prozent im Körper selbst gebildet und nicht primär durch die Nahrung zugeführt wird), das notwendig ist für die Regulierung praktisch aller Zellfunktionen im menschlichen Körper.

Da unsere Nahrung kaum Vitamin D enthält, muss die Sonne mit ihren UV-B-Strahlen für die “Produktion” des  “Sonnenschein-Vitamins” in der Haut sorgen. Jahrtausende lang war das zumeist kein Problem. Die Menschen arbeiteten und lebten zumeist im Freien unter der Sonne und mit der Pigmentierung, der Bräunung passte sich die Haut der Menschen den Umweltbedingungen an. Das hat sich in wenigen hundert Jahren radikal geändert. Die Arbeit und zunehmend auch die Freizeit spielen sich in geschlossenen Räumen ab. Das Sonnenschein-Vitamin D3 wird Magelware, die große Mehrheit der Bevölkerung bleibt selbst im Sommer "unterversorgt", die Menschen leiden unter "Sonnen-Hunger".

Im Spätherbst und Winter verschärft sich das Problem noch einmal, denn in unseren Breiten fällt dann die Sonne als "Vitamin D-Produzent" gänzlich aus. Im “Vitamin D-Winter” von Ende Oktober bis März muss unser Körper von den angesammelten Reserven leben, die aber oft unzureichend oder garnicht im Sommer gebildet wurden. Da darüber hinaus die “Halbwertzeit” des gespeicherten Vitamin D nur etwa sechs Wochen beträgt, bricht auch bei ansonsten gut mit Sonne und Sonnenschein-Vitamin versorgten Menschen spätestens gegen Ende dieser Periode eine Art “Vitamin D-Notstand” aus.

Das Bewusstsein über diese "Epidemie" mit ihren weitreichenden gesundheitlichen Folgen ist in den vergangenen Jahren ständig gewachsen. Jetzt geht es nicht mehr, wie im ausgehenden 19. und großteils noch im 20. Jahrhundert, nur noch um Knochenbildung und Knochendichte, sondern um die Vorbeugung vor, und die Behandlung von weit verbreiteten - physischen aber auch psychischen - "Volkskrankheiten". Lebensstile und die Organisation von Arbeit lassen sich nur schwer ändern. Einfacher scheint es da zu sein, den Mangel durch das Einwerfen von Medikamenten, durch Vitamin D-Supplementierung, zu beseitigen, wenn der Ersatz auch nicht das Gleiche - weder in der Wirkungsbreite noch beim Wohlgefühl - leisten kann wie das Original, die UVB-Strahlen der Sonne.

Die viel naheliegendere Idee, die Sonnenstrahlen zu kopieren und immer und überall verfügbar zu machen, wurde erst in den 70ger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch die Erfindung der Sonnenbank durch Friedrich Wolff in vollem Umfang realisiert. Dass der "kleine Bruder der Sonne", das Solarium, danach immer stärker auf kosmetische Zwecke, auf Hautbräunung. orientiert wurde, war nicht ganz im Sonne des Erfinders. Die Renaissance des Gesundheitsgedankens auch bei der "Ersatz-Sonne" in den vergangenen 10 Jahren zusätzlich zu Bräunung und "Wellness" schon eher.

Diesen "frivolen" Lifestyle-Aspekt des Solariums nutzten Dermatologen- und Krebs-Organisationen, unterstützt aus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründen von Kosmetik- und Pharmaindustrie, zum Generalangriff auf die künstliche Besonnung. Anders als bei den unheilschwangeren Warnungen vor den Strahlen der Sonne selbst - die "liebe Sonne" war nicht so einfach aus den Köpfen und Herzen der Bevölkerung zu entfernen - waren die Kampagnen gegen die künstliche Sonne, die Sonnenbank, durchaus wirkungsvoll.

Die Argumente gegen die künstliche Besonnung beruhten vor allem auf einer Halbwahrheit und einer Unwahrheit.
Die Halbwahrheit: Genau wie die UV-Strahlen der Sonne können auch die UV-Strahlen im Solarium die DNA in der Haut beschädigen. Geschieht das dauerhaft und/oder in erheblichem Umfang, etwa durch wiederholte Sonnenbrände, wird das Immunsystem überfordert mit dem Abtransport beschädigter Zellen, die sich dann ungehindert teilen können und so langfristig Hautkrebs verursachen. Verschwiegen wurde aber wohlweislich in diesen Kampagnen, dass selbst ein Aufenthalt an der Sonne oder im Solarium, der ein Vielfaches des täglichen Vitamin D-Bedarfs "produziert", noch weit entfernt davon ist, solche irreparablen Schäden in der Haut zu verursachen. (Allerdings kam den Solarien-Gegnern über viele Jahre hinweg der ungebremste und modisch gestützte Missbrauch der Solarien entgegen.)

Im Gegenteil mehrten sich die wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese moderate, regelmäßige und für die Vitamin D-Bildung optimale Besonnung, vor dem gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs, dem Melanom, schützen könnte (s. z.B. Gandini 2005) - ebenso wie vor einigen anderen Krebsarten, vor allem aber vor "Volkskrankheiten" wie Osteoporose, Diabetes oder Demenz.

Diese "Ersatz-Sonne" erwies sich also als durchaus effektives Mittel nicht nur für die ca. 60-80  Prozent der "normalen" Bevölkerung mit einem Vitamin-D-Mangel in der sonnenarmen Zeit, sondern verstärkt noch für die "Problemgruppen", Menschen mit dunkler Haut, Jugendliche und alte Menschen und Menschen, deren Darm durch entsprechende Krankheiten nicht in der Lage ist, das Vitamin D aus der Nahrung zu "verarbeiten" (s.u. Prakash Chandra, 2007),

Die Unwahrheit: Mit der rasanten "Karriere" des Sonnenschein-Vitamins, die mit dem Beweis der Unverzichtbarkeit von Sonnenstrahlen auf der Haut auch das Solarium zu "rehabilitieren" drohte, griffen die Gegner neben der Hautkrebs-Drohung zu einer schlichten Lüge. Das Solarium, so hieß es, sei garnicht in der Lage, Vitamin D in der Haut zu bilden und wenn doch, dann unter untragbaren Hautkrebs-Risiken. Ein Einsatz der Sonnenbank als Sonnen-Ersatz im "Vitamin D-Winter" sei daher überhaupt nicht zu verantworten.

Relativ spät erst, dann aber in etlichen klinischen, plazebo-kontrollierten Studien, wurde diese Behauptung wissenschaftlich wiederlegt.

Aus den Jahren 2004 und 2006 stammen die ersten und dann kontimuierlich weitere systematische Untersuchungen von Forscherteams um Prof. Michael F. Holick (Boston University), Profs. Elisabeth Thieden und Hans Christian Wulf (Universität Kopenhagen) sowie Prof. Johan Moan (Universität Oslo) bis in die jüngste Zeit (s.u. die Studien aus 2013).

In all diesen Untersuchungen wurden Gruppen von gesunden Männern und Frauen unterschiedlicher Altersstufen über einen längeren Zeitraum während des "Vitamin D-Winters" (damit sollte eine Verfälschung der Ergebnisse durch ntürliche Sonneneinstrahlung vermieden werden) wiederholt mit UV-Strahlen in handelsüblichen Solarien weit unter der Erythem-Schwelle (Erythem = Hautrötung) bestrahlt und die Entwicklung des Vitamin D-Spiegels fortlaufend kontrolliert. In allen Fällen konnte der Vitamin D-Gehalt im Blut trotz der mangelnden Natursonne nicht nur gehalten sondern noch wesentlich gesteigert werden.

Die regelmäßige - z.B. einmal wöchentliche - Nutzung einer handelsüblichen Sonnenbank unter den inzwischen staatlich regulierten Bedingungen (UV-Schutz-Verordnung - UVSV) reicht also durchaus als "Sonnen-Ersatz" in der dunklen Jahreszeit, verhindert einen Vitamin D-Mangel und verringert eher das Risiko eines Melanoms als es zu vergrößern.

Studien (einige Besipiele):

V. Tangpricha , A. Turner , C. Spina , S. Decastro , T.Chen , M.F. Holick , Tanning is associated with optimal vitamin D status (serum 25-hydroxyvitamin D concentration) and higher bone mineral density, American Journal of Clinical Nutrition, Dez. 2004, 80 (6), 1645-1649

Michael F. Holick, Tai C. Chen, Zhiren Lu, Edward Sauter, Vitamin D and Skin Physiology: A D-Lightful Story, Journal of Bone and Mineral Research, December 2007:22:V28-V33

E. Thieden et al., Sunbed radiation provokes cutaneous vitamin D synthesis in humans--a randomized controlled trial, Photochem Photobiol. Sci., 2008, 84(6):1487-92

Lagunova Z, Porojnicu AC, Aksnes L, Holick MF, Iani V, Bruland OS, Moan J., Effect of vitamin D supplementation and ultraviolet B exposure on serum 25-hydroxyvitamin D concentrations in healthy volunteers: a randomized, crossover clinical trial, British Journal of Dermatology August 2013,169(2):434-40

T. Orlova T, J. Moan, Z. Lagunova, L. Aksnes, I. Terenetskaya, A. Juzeniene, Increase in serum 25-hydroxyvitamin-D3 in humans after sunbed exposures compared to previtamin D3 synthesis in vitro, J Photochem Photobiol B, Mai 2013 5/122: 32-36

J. Moan et al., Sunbeds as vitamin D sources, Photochem Photobiol. 2009, 85(6):1474-9

Prakash Chandra et al., Treatment of vitamin D deficiency with UV light in patients with malabsorption syndromes: a case series, Photodermatol Photoimmunol Photomed. 2007, 23(5): 179–185.

F.R. de Gruijl, S. Pavel, The effects of a mid-winter 8-week course of sub-sunburn sunbed exposures on tanning, vitamin D status and colds, Photochem Photobiol Sci., 2012 Dec;11(12):1848-54

 

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