Sonnenschutz - immer und überall?

13.08.2013 09:20:00 von Leopold Bergmann

Sonnenschutz um jeden Preis?
Sonnenschutz: Oft aber nicht immer und überall - Foto: fotolia.com

Behauptung

"Zum Schutz der Haut vor Hautkrebs und Hautalterung sollte der Mensch
•    auf jeden Fall die Mittagssonne (10-15 Uhr) meiden,
•    sich möglichst immer im Schatten aufhalten und
•    und alle unbedeckten Körperteile immer mit einer Sonnencreme einreiben mit einem LSF von mindestens 15."

Tatsache

Alle drei Ratschläge sind - teilweise - falsch und sogar gefährlich. Was man zum Sonnenschutz - ausser den medienwirksamen Werbesprüchen der Kosmetikindustrie - noch wissen sollte:

Zu kaum einem Thema gibt es so viele Fehlinformationen (von interessierter Seite) und Missverständnisse wie beim Thema: "Wieviel Sonne braucht der Mensch?  und wann und wie sollte er sich vor zu viel Sonne schützen?"

  1. Wann in die Sonne und wie lange?
    Nur die Mittagssonne (10 - 15 Uhr) enhält ausreichend UV-B-Strahlen für die natürliche Vitamin D-Synthese in der Haut. Nur in dieser Zeit ist also ein kurzer Aufenthalt mit nicht bedeckten Körperteilen an der Sonne "gesund". Vermeiden der "Mittagsonne" verlängert also vorhandene Vitamin D-Defizite mit den gravierenden negativen Folgen für die Gesundheit.
    Nur bei einem längeren Aufenthalt an der Mittagssonne sollte die Haut bedeckt oder eingecremt sein, um einen Sonnenbrand zu vermeiden.
    Ausserdem: Ausserhalb der Mittagssonne enthalten die natürlichen Sonnenstrahlen nur noch ausschließlich UV-A. Da aber eine dauerhafte Bräunung der Haut UV-B benötigt, UV-A dagegen für die nur kurzfristig andauernde "Sofort-Bräunung" zuständig ist, ist eine ausgewogene, dauerhafte und für die Haut unschädliche Bräunung zu diesen Zeiten nicht möglich.
  2. UVA- oder UV-B-Strahlen meiden?
    Anders als das UV-B-Licht "streuen" die UV-A-Strahlen erheblich und werden so durch Wolken oder den Schatten z.B. der Bäume kaum "gebremst". Die Intensität der UV-A-Strahlung nimmt darüber hinaus auch in den Zeiten vor 10 Uhr morgens und nach 15 Uhr nachmittags nur sehr allmählich ab. In anderen Worten: Bei wolkigem Himmel, im Schatten, hinter Glas und früh wie spät am Tag treffen nur UV-A, nicht aber UV-B-Strahlen auf die Haut.
    Das UV-A-Spektrum des Sonnenlichts wird bei übermäßiger Bestrahlung vor allem für die vorzeitige Hautalterung und - etwa durch die Bildung der "Freien Radikalen" in den tieferen Hautschichten -  auch für den Hautkrebs verantwortlich gemacht.
    Beim lang andauernden Aufenthalt im Schatten werden die biopositiven Wirkungen der Sonnenstrahlen "unterdrückt", die negativen Folgen übermäßiger Bestrahlung werden dagegen nicht vermieden.
  3. Sonnenschutz wann, wo und wie?
    Das Eincremen mit Sonnenschutzmitteln mit einem LSF von mehr als 15 verhindert zu über 99% die Vitamin D-Synthese in der Haut.
    Zahlreiche Studien haben belegt, dass Menschen, die regelmäßig Sonnenschutzmittel benutzen, nicht weniger häufig (in einigen Studien sogar: häufiger) an dem gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs (Melanom) erkranken wie Menschen, die sich seltener oder garnicht eincremen.
    Verwendung von Sonnenschuztmitteln bei Kindern führt nicht zu einem Schutz vor der Entstehung neuer Muttermale, die später (allerdings selten) in ein Melanom entarten können.
    Der Lichtschutzfaktor (LSF) wird gemessen nach einer Menge Sonnencreme pro Quatratzentimeter (2mg/cm²), die in der Wirklichkeit kein Mensch anwendet. Tatsächlich enspricht daher der Lichtschutzfaktor bei einem ausgewiesenen LSF von z.B. 30 in Wirklichkeit nur einem Schutzfaktor 4 - das entspricht ziemlich genau dem Schutz, der durch ein sanftes Vorbräunen im Solarium zu erreichen ist!
    Ein - allerdings abnehmender - Teil der Sonnenschutzmittel schützt nur vor den UV-B- nicht aber vor den UVA-Strahlen - mit den oben beschriebenen Konsequenzen.
    Sonnenschutzmittel sind überwiegend komplexe "Chemie-Coctails", die oft gesundheitsschädliche Substanzen enthalten. Trotz ständiger Innovationen und Verbote solcher Bestandteile durch die Gesundheitsbehörden dauert es erfahrungsgemäß viele Jahre, ja Jahrzehnte, bevor gefährliche Inhaltsstoffe aus den "Coctails" verschwinden.

Aber:
Alle diese Argumente bedeuten allerdings nicht, dass der Einsatz von Sonnenschutzmitteln bei einem längeren Aufenthalt in der Sonne für Körperteile, die durch Bekleidung nicht geschützt werden (können), nicht dennoch ratsam oder notwendig ist.

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