Hier irrt der Redakteur - und der Fachmann

04.08.2013 17:24:00 von Leopold Bergmann

Irrtümer über Sonne und Vitamin D

Obwohl in den vergangenen Jahren das Verständnis der Medien für die lebensspendende Rolle der Sonne und die Bedeutung des Sonnen-Hormons für Gesundheit und Wohlgefühl ständig zugenommen hat, erscheint auch heute noch gelegentlich blanker Unsinn zu diesen Themen selbst in seriösen Magazinen. Hier zwei Beispiele:

Die BUNTE

Magazin Schon im Vorspann  und fett gedruckt vergreift sich "Die Bunte" bei den Fakten: "In Deutschland ist Vitamin-D-Mangel eine seltene Erscheinung."

Tatsache ist - und in Studien des "regierungsoffziellen" Robert-Koch-Instituts, RKI, wiederholt dokumentiert: In Deutschland leiden etwa 60 Prozent der Bevölkerung an einem mehr oder minder akuten Vitamin D-Mangel. Also wohl kaum eine "seltene Erscheinung". Für einzelne Bevölkerungsgruppen, wie etwa die Alten, aber auch für Jugendliche, wird ein deutlich höreres Defizit gemeldet. Und das im Jahres-Durchschnitt. Im Vitamin D-Winter, wenn die Sonne zu tief steht um überhaupt die Bildung von Vitamin D über die Haut anzustoßen, liegen natürlich alle diese Daten noch wesentlich höher.

BRIGITTE

Dass auch ein Experte im Interview nicht vor Irrtümern schützt, beweist einmal mehr die BRIGITTE. Da heisst es: "Aber wenn man das Gesicht in der Mittagszeit ungefähr 15 Minuten dem Tageslicht aussetzt, produziert man genug Vitamin D."

Das ist gleich dreifacher Unsinn:

  1. reichen 15 Minuten Sonne im Gesicht in der Regel nicht einmal für eine Tagesdosis Vitamin D aus, geschweige denn für das Auffüllen der Speicher im Körper,
  2. und wenn ausreichend für den Tag, dann nur beim Hauttyp 1 oder 2, im Hochsommer und nur um die Mittagszeit,
  3. und schließlich ist es gerade das Gesicht, das über das gesamte Jahr den Hauptanteil an UV-Strahlen der Sonne abbekommt, die Zellen der Gesichtshaut daher am ehesten zu entarten drohen (erhöhtes Risiko von Keratose und weißem Hautkrebs) und das Gesicht folglich am meisten von allen Körperteilen vor den UV-Strahlen geschützt werden sollte.

Richtig müsste es heißen: 15-30 Minuten Sonne um die Mittagszeit im Sommer auf Arme und Beine, je nach Hauttyp, Wetterlagen, Höhe, Vorbräunung etc. - im Frühjahr und Herbst deutlich mehr Haut und längere Besonnung, oder das Jahr über genau dosiert im Solarium. Wie bei etwa Aspirin oder Schokolage: Allein die Dosis entscheidet über Nutzen oder Schaden.

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